Presse



Mainpost, 23. April 2018

WÜRZBURG

 

pics4peace: Jugendliche wollen mehr Politik in der Schule

 

 

 

Foto: Pia Beckmann

Beim pics4peace-Workshop im Matthias-Grünewald-Gymnasium sprach Autor Jürgen Jankofsky mit den Jugendlichen unter anderem über „Die Jünger Jesu“.

 

„Wo läuft in unserer Gesellschaft etwas falsch? Wie kann man es ändern? Was kann ich tun? Was die Politik?“ Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigten sich etwa 70 junge Erwachsene in einem fünfstündigen Workshop mit dem Autoren Jürgen Jankofsky, den die Leonhard-Frank-Gesellschaft im großen Saal des Matthias-Grünewald-Gymnasiums veranstaltete.

Junge Erwachsene für Frieden und Demokratie

Die Leonhard-Frank-Gesellschaft (LFG) bot den Workshop bei der Aktion „pics4peace – Junge Erwachsene für Frieden und Demokratie“ an, so die Pressemitteilung der Initiative. „Leonhard Frank hat in seinem Werk immer wieder die Frage nach mehr Gerechtigkeit gestellt. Die „Jünger Jesu“ aus dem Nachkriegs-Würzburg haben das Leid vieler in der Stadt nicht hingenommen, sondern ganz konkret gehandelt und Abhilfe geschaffen“, so Michael Henke, der Vorsitzende der LFG. Deshalb war der Autor Jürgen Jankofsky auch mit dabei. Dieser hat mit seiner Kurzgeschichte „Anna Hood“ ein Pendant aufgegriffen, das in der heutigen Zeit spielt.

Jankofsky, Mitglied im Vorstand des PEN Deutschland, erzählte zunächst von sich und seinem „Anderssein“: in der DDR aufgewachsen, ein „Revoluzzer“, der am liebsten Rockmusik machte, war er viele Jahre als Berufsmusiker unterwegs, bevor er noch einmal Literatur studierte, um sich nach dem Schreiben von Liedtexten schließlich ganz dem Schreiben zu widmen.

Die Jugendlichen widmeten sich verschiedenen Themen

 

Die Jugendlichen widmeten sich in Kleingruppen frei gewählten konkreten Themen: „Hart, aber unfair geht es oft zu, da müssen wir alle eingreifen“, sagten die ersten und verwiesen auf Gewalt und Ausgrenzung. „Tu was!“ war auch der Appell der zweiten Gruppe: Es wird viel diskutiert und geregelt, aber das konsequente Handeln fehlt, wie ein Schüler am Beispiel der Klimakonferenzen aufzeigte.

 

Foto: Pia Beckmann

In kleinen Gruppen beschäftigten sich die jungen Erwachsenen beim pics4peace-Workshop im Matthias-Grünewald-Gymnasium mit verschiedenen Themen rund um Demokratie und Frieden.

 

Andere Themen waren die Ausnutzung von Machtpositionen, aber auch der Syrien-Konflikt und das irrationale Agieren der USA und Russlands, das die Jugendlichen sorgte: „Was kann man da dagegen tun?“ „Wir brauchen mehr politische Aufklärung in der Schule!“, so die Schüler. Ein Aufreger für viele war auch das neue Polizeiaufgaben-Gesetz. Engagiert stellten die Jugendlichen ihre Themen im Plenum vor und diskutierten darüber.



Lesefutter 2018





Mitteldeutsche Zeitung, 22.02.2018


Mitteldeutsche Zeitung, 06.02.2018


Trierer Zeitung, 11.01.2018


Anna Hood, das ganz besondere Kinderbuch von Jürgen Jankofsky

 

Schreckliche Bilder sieht Anna im Fernsehen. Ein gekenterter Flüchtling trägt sein totes Kind aus dem Meer und legt es am Strand ab. Anna ist nicht nur erschrocken, sie ist auch empört. Die Welt ist ungerecht und sie, Anna, muss etwas dagegen tun. Also spendet sie all das Geld, das sie hat, doch das ist viel zu wenig. Von ihren Klassenkameraden, die sie wegen einer Spende anspricht, macht einzig Robin mit. Und dessen Name gibt ihnen den Weg vor, den sie gehen müssen. Gab es da nicht mal einen Robin Hood, der die Reichen bestohlen und den Armen Geld gegeben hat? Klar, und so einer wollen sie auch werden. Anna Hood nennt sich Anna jetzt und weil der richtige Robin eine Bande der „Gesetzlosen“ gegründet hatte, wollen sie das auch tun. Eine Bande, deren Mitglieder auf der ganzen Welt verstreut sind und die sich über das Internet zusammenfinden. Tolle Ideen entwickeln sie da, wie die Welt für Kinder gerechter werden könnte, ihre Phantasie kennt keine Grenzen.

Eine kleine, sehr schöne Geschichte erzählt Jürgen Jankofsky in seinem neuen Kinderbuch, aber die schönste Idee besteht darin, dass diese Geschichte nicht einmal erzählt wird, sondern neunzehn Mal, nämlich in allen möglichen Sprachen dieser Welt. Wie Annas Bande aus Kinder rund um den Erdball besteht, so wird ihre Geschichte in vielen Sprachen erzählt: Arabisch, armenisch, chinesisch, türkisch und in Französisch und Englisch sowieso.

Es ist ein Buch, das an allen Multikulti-Orten zum Einsatz kommen müsste, auch in Schulklassen mit Schülern unterschiedlichster Herkunft. Die deutsche Fassung könnte als Ausgangspunkt dienen und dann könnten syrische, türkische oder andere Kinder ihre Geschichte, die doch dieselbe ist, dazu erzählen. Die Geschichte von Anna und Robin und von allen Kindern in der Welt, die sie gerechter und damit lebenswerter machen wollen.

 

 

 

Heinrich Peuckmann


Jürgen Jankofsky

Anna Hood. Ein Szenarion für Kinder in 19 Sprachen unserer Welt

Halle/Saale: Mitteldeutscher Verlag GmbH 2017

ISBN: 978-3-95462-877-3

Preis: 9,95 €, 236 Seiten

 

 

Anna kann es nicht mehr sehen. Oder richtiger, sie kann die Bilder nicht mehr aus ihrem Kopf bekommen. Täglich sterben Menschen auf der Flucht vor Hunger und Krieg, während andere unmittelbar daneben das Leben und den Reichtum in vollen Zügen genießen. Doch was tun? Der Inhalt des Sparschweins bewirkt – wenn es auch gerade gut gefüllt ist – nicht sehr viel. Also muss eine Idee her, die weiter greift. Zum Glück kann Annas Freund Robin auf einen berühmten Namensvetter verweisen, und an dem nun orientiert nimmt Annas Plan zur Weltverbesserung richtig Fahrt auf.

Es ist weniger eine geradlinige Strategie, die Anna antreibt. Eher kommt eins zum anderen und es ergeben sich Effekte, die nicht abzusehen waren. Zu den ersten eigenen Versuchen kommt Robins hilfreicher Hinweis auf Robin Hood, das Internet bietet vielfältige Formen der Vernetzung usw. Antrieb ist zuerst einmal die menschliche Empörung, dann aber auch das eigene Projekt, die Dynamik der Sache, die die Mühe lohnt. Das Geschehen ist dann weniger realistisch, als idealisiert überzeichnet. Es changiert – wie auch der Mythos, auf den angespielt wird – an der Grenze zum Phantastischen, fast wie ein Märchen, das aber dann doch wieder deutlich an unsere Wirklichkeit zurückgebunden bleibt. Die den Ungehorsam erprobenden Kinder beginnen und das was sie tun, schlägt Wellen. Wohin diese die Handlung tragen, bleibt offen, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Das Beginnen ist das große Thema, und das steht im Mittelpunkt des vorliegenden Buches.

Jürgen Jankofsky bezeichnet seinen Neuling explizit nicht als Geschichte. Es ist ein „Szenario“, also eine Situation, die konstruiert und zweifellos fiktional, nicht aber das andere zur Realität ist. Vielmehr ist es ein Möglichkeitsraum, der Handlungsoptionen eröffnet. Rasant wird die Handlung entwickelt, durch 12 kurze Kapitel und eine Sprache, die gleichsam einfühlsam ist – manchmal an der Grenze zur erlebten Rede – und manchmal staccatoartig verdichtet, elliptisch verknappt und hochfrequent beschleunigt. Eingewoben in ein flächenhaftes Geschehen wird auf reale Ereignisse und Entwicklungen angespielt: gesellschaftskritisch das Unverständnis der Erwachsenen für den Plan der Kinder, aus Kinderperspektive der groteske Arbeitskampf der sogenannten Werktätigen, dann aber auch aktuelle politische Themen wie das bedingungslose Grundeinkommen und die Reichensteuer.

So entsteht eine kurze Erzählung, die sich auf wenigen Seite entfaltet. Ein Buch wird daraus auf ganz einfache Weise. Die Geschichte findet sich darin nämlich 19 Male, jedoch jeweils in eine andere Sprache übertragen. Neben den großen Weltsprachen wie Englisch und Französisch finden sich da auch Armenisch und Arabisch, und jede Menge anderer Sprachen, in die die Geschichte von Anna Hood übersetzt wurde. Heike Lichtenberg hat zu allen 19 Varianten ein kulturspezifisch angepasstes Portrait von Anna Hood als Frontispiz beigefügt. So entsteht hier ein interessantes und interkulturell herausforderndes Lehrstück über die Soliadrität und die Kraft der Idee, die ihren Anfang nimmt.

 

Prof. Dr. Michael Ritter

Halle/Saale, den 14. August 2017

 

 


Magdeburg Kompakt


Belgische Zeitung


Mitteldeutsche Zeitung, 09.08.2017


Mitteldeutsche Zeitung, 16.06.2017


EKZ,  Bibliotheksservice, 08.2017


Hauptkatalog des Mitteldeutschen Verlags 2017