Anna-Hood-Gang in Braunsbedra


Freundschaft, Spaß und gute Taten. Ein Nachwort

 

 

 

Komm, Anna, komm – Anna, Anna Hood!

Komm, Anna Hood, wir gründen eine Gang!

Und fordern mehr Gerechtigkeit,

Ja, fordern stets Gerechtigkeit,

Sonst geht die Welt kaputt!

Komm, Anna, komm – Anna, Anna Hood!

 

Jürgen Jankofsky, 65 Jahre

 

 

 

Am Anfang war es eine Idee, der Wille, zu helfen, etwas gegen die Läufte der Zeit zu unternehmen. Daraus wurde ein Buch, „Anna Hood“, mittlerweile ist die Geschichte in 40 Sprachen übersetzt, man vergleiche die Webseite, die dem Projekt ge­widmet ist: www.anna-hood.de.

 

Die Idee, mit dieser Story, in der es um Nächstenliebe, um Freundschaft, um gute Taten und Gerechtigkeit geht, in einem bundesweiten Projekt an Schulen zu gehen, Anna- Hood-Gangs zu bilden und mit den Heranwachsenden zu arbeiten, zu schreiben, zu zeichnen, zu reden, vorzulesen und neue Gebiete der Kreativität auszutesten, ist famos. Durch die Autorenpatenschaften begegnen Autoren ihren künftigen Le­sern auf Augenhöhe, sie machen ein Buch mit ihnen, das die Texte und Zeichnungen des Projekts jeweils vor Ort enthält. In Braunsbedra entstanden Haiku, es wurden Hunderte Elfchen, viele Akro- und Mesostichen, Treppengedichte, Briefe an Anna und vor allem und immer wieder Geschichten geschrieben, dass es eine berührende Freude war. Es wurden Exkursionen in die Pfännerhall unternommen, in die Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen, zum weltberühmten Museum für Vorgeschichte. Es wurde vorgelesen und gesungen, rezitiert und sogar zu Gedichtzeilen getanzt. Es ist zu wünschen, dass die Anna-Hood-Bewegung ein bleibender Erfolg ist, dass, ausgehend von der Geschichte von Jürgen Jankofsky, der Wil­le zum gemeinsamen Tun, zu Hilfsbereitschaft, Freundschaft, zu guten Taten um die Welt geht. In einer Zeit solcher Umbrü­che sind diese Tugenden eine Hoffnung wert, nach wie vor.

 

Am Beginn des Jahres 2018 wurde die Anna-Hood-Gang Braunsbedra gegründet – und von Anfang an war der Spaß und die Begeisterung zu spüren, die diese Schüler der zwei­ten bis vierten Klassen der Lessing-Grundschule hatten und die sich nun in diesem Buch, das zum größten Teil aus den Texten und Bildern der Teilnehmer besteht, niederschlagen. Jedes Kind kann das, eine Geschichte erfinden und erzählen; und mit „Anna-Hood-Gang erobert das Geiseltal“ kann nur ein Bruchteil dessen, was in dem Jahr entstand, dokumentiert werden.

 

Weit über 400 Texte, die einen ganzen Ordner füllen, ent­standen. Durch die Begleitung dreier Künstler: eines Musi­kers und Autorenkollegen, eine Illustratorin und eine Grafi­kerin, wurden die Arbeitsfelder noch erheblich erweitert. So gab es das „Leserattenlied“ und den „Anna-Hood-Song“ auf die Ohren, und es wurden Mammuts aus vier Eiern gezeich­net, entstanden bunte Welten aus Papier, Farbe und Leim. Einige dieser Resultate schmücken heute gerahmt die Schule und die Bibliothek der Stadt Braunsbedra.

 

Berührend war auch die Lesung der „Anna Hood“-Story in einem der Ferienworkshops. Der ernste Inhalt und der Mut machende Ausgang der Geschichte ließ Gespräche wachsen, es entstanden Texte und Zeichnungen und v. a. war da im­mer wieder der Eindruck, dass Anna Hood eine Freundin der Gang längst geworden war. Anna, wenn sie nach Braunsbed­ra gekommen wäre, sie hätte sich hier wohl und unter ihres­gleichen gefühlt. Und sie hätte etwas über die Geschichte und die Schönheit des Landstrichs, des Geiseltals erfahren und in die Welt getragen. Der Fächerbaum der Freundschaft, er hätte in ihrem Herz eine feste Wurzel geschlagen, und er hätte sie für immer mit der Landschaft und ihren Bewohnern verbun­den. Auch das ist ein Akt der Nächstenliebe und Nähe: allem offen und freundschaftlich gegenüber zu bleiben. Es ist, da bin ich mir ganz sicher, der Tenor dieses Buchs. Und allein das ist bereits, glaube ich, eine gute Tat.

 

Am Ende dieses Buches bleiben Freude und Dankbarkeit. Das turbulente Jahr 2018, sicher eines der bewegtesten im noch jungen Jahrhundert, stand in der Braunsbedraer Les­sing-Grundschule im Zeichen des Schreibens und Zeichnens und Nachdenkens über die Welt, über das, was die Schüler umgibt, ihre Haltung zu ihrer Stadt, zur Freundschaft, zu gu­ten Taten, aber auch Spaß mit Freunden, Hilfsbereitschaft. Für das Gelingen von Projekt und Buch ist vielen zu danken, zu­vörderst Janko und den guten Seelen des Unterfangens: Hei­drun Schier und Heike Wust. Ein besonderer Dank gilt Heike Lichtenberg und Susanne Theumer. Und ich danke Euch, lie­be Anna-Hood-Gang-Mitglieder: Es war mir eine Freude und Ehre, mit Euch zu arbeiten – ich bin sehr stolz auf Euch!

 

André Schinkel 

 

 

 

 

Die Anna-Hood-Gang erobert das Geiseltal

 

So fing alles an: Wir waren gerade am Geiseltalsee, dort haben
wir einen Zettel gefunden. Es war eine Karte – sie war echt,
sagte Anna zu ihrer Freundin Christin. Sie kuckten auf die
Karte und konnten aber leider nicht die Geheimbotschaft entschlüsseln.
Einen Tag später konnte Anna den Anfang lesen,
da stand: „Wer das liest, wird –“ Weiter konnte sie es nicht
entschlüsseln. Sie rief ihre Freundin Christin an. Anna sagte:
„Wir gründen die Anna-Hood-Gang!“ Christin sagte: „Wir
können auch andere Freunde in die Anna-Hood-Gang eintreten
lassen. Die können sich melden und dann beitreten.“ Es
meldeten sich Ales, Jason, Yannick, Jessica, Lillie, Daniel, Jacob,
John und Leonie. Sie konnten die Botschaft endlich komplett
entschlüsseln. Es stand darin: „Wer das liest, wird das
Geiseltal erobern!“
Laura Hannig, 10 Jahre


Das Buch der Anna-Hood-Gang ist da

Mitteldeutscher Verlag, 2018


Bote des Geiseltals, 18.07.2018


Aus der Zeichenwerkstatt:

 

Von Mammut und Waldelefant, Gummibärchen und Einhorn, Tiefseemonster und Urpferdchen


Mitteldeutsche Zeitung, 19.07.2018


Erlebnisreiche Projekttage in Pfännerhall und in der Bibliothek in Braunsbedra



Die Anna-Hood-Gang erobert das Geiseltal

 

So fing alles an: Wir waren gerade am Geiseltalsee, dort haben wir einen Zettel gefunden. Es war eine Karte – sie war echt, sagte Anna zu ihrer Freundin Christin. Sie kuckten auf die Karte und konnten aber leider nicht die Geheimbotschaft entschlüsseln. Einen Tag später konnte Anna den Anfang lesen, da stand: „Wer das liest, wird –“ Weiter konnte sie es nicht entschlüsseln. Sie rief ihre Freundin Christin an. Anna sagte: „Wir gründen die Anna-Hood-Gang!“ Christin sagte: „Wir können auch andere Freunde in die Anna-Hood-Gang eintreten lassen. Die können sich melden und dann beitreten.“ Es meldeten sich Ales, Jason, Yannick, Jessica, Lillie, Daniel, Jacob, John und Leonie. Sie konnten die Botschaft endlich komplett entschlüsseln. Es stand darin: „Wer das liest, wird das Geiseltal erobern!“

Vogelkonzert für Anna – es singen mit:

 

Blaumeise

Nachtigall

Rotkehlchen

Kuckuck

Taube

Traumvogel

Spatz

Drossel

Blässhuhn

Grünspecht        

Eisvogel

Geier

TV-Vogel

Rabe

Zilpzalp

Schuhschnabel

Teufelsvogel 

Kakadu 

Surfmöwe

Eliasvogel   

Flamingo

Das Shanghai-Ei 

 

 

Schokoladenvogel

Annahoodgängvogel

Schippedeschippvogel

Uhu 

Möwe

Kackedu

Auerhuhn

Amsel 

Buntspecht

Storch

Gans

Rotschwänzchen 

 Star 

Elefantenspatz

Fitis

Huhn 

Glücksvogel

Kakadudu  

Chikapuschel

Papagei 

Pinguin

Einhornwellensittich

 

 

Kohlmeise

Elster

Hulahoopvogel

 Federmappenvogel

Fink

Kackernder Kakadu

Haubentaucher

Woopedepoppvogel

Schwarzspecht

Graureiher  

Adler

Stockente

Zuckerwattenstockente

Nashornvogel

 Schwirl

Ohrenschwarz

Fantavogel

Löwenmöwe

Moorhuhn

Wellensittich

Spatzenhirn

Herr Schinkel


 

 

 

 

Haiku

 

Wenn Anna Hood kommt,

Freuen wir uns und zeigen

Ihr unsere Stadt.


Schneeballgedicht

 

Anna

Kommt her.

Das ist wichtig.

Und das ist gut –

Wir freuen uns so darauf!

Wir hatten schon Sehnsucht nach ihr.

Wir zeigen ihr das Geiseltal.

Immer Sommer baden wir,

Retten die Welt,

Freuen uns

Alle.

 

 

 

Eierkuchengeschichte

 

Ich hatte tierisch Hunger auf Eierkuchen, aber es waren keine Eier da. Ich ging zum Eierhändler, doch der hatte zu. Nach einer Stunde lief ich zur Hühnerfarm und fragte, ob ich mir ein Huhn ausleihen darf. Zuhause wunderte ich mich, warum das Huhn keine Eier legt. Ich betrachtete es und stellte fest, dass es ein Hahn war! Ich ging zur Farm und beschwerte mich: „Das ist gar kein Huhn, das ist ein Hahn!“ Die Verkäuferin lief weg. Ich rannte ihr hinterher. Als ich sie zu fassen bekam, purzelten wir beide in den Matsch. Aber wir fielen weich, weil wir über ein Huhn gestolpert waren. Diesmal war es ein echtes Huhn, und es legte vor Schreck ein Ei. Ich nahm es vergnügt, ging fröhlich nach Hause und lud die Verkäuferin zum Eierkuchenessen ein. Auch wenn es ein sehr kleiner Eierkuchen war, schmeckte er total gut.

 

 

 

Der Zoo von Braunsbedra

 

Das geht nicht, dass Braunsbedra keinen Zoo hat. Und schon haben wir ihn erfunden … Es wohnen Tiere darin, die es gibt, die es nur vielleicht gibt oder die vielleicht gar keine Tiere sind, Zweimaltiere, ein Dreimaltier und Blumentiere. Manche sind gleich zweiwas. Also, im Zoo von Braunsbedra gibt es: den Nasenbären, das Pferd, Bienen, Hunde, einen Schwertwal, einen Hammerhai, Seepferdchen und Gürteltiere, das geheimnisvolle Aye-Aye, Einhörner, Yetis, Big Foots, ein kleines Rülpsbärchen, den Gorilla, Schwertfische, Sägefische, Kapuzineräffchen, Weißkopfseeadler und eine Elefantenspitzmaus (nicht zu verwechseln übrigens mit den Elefantensperlingen, die wir vom Konzert schon kennen, und dem berühmten Elefantenwellensittich). An Zweimaltieren haben wir gesehen: Nashornvögel, den gefährlichen Affenadler und seinen Kumpel, das Affenkamel, Ameisenbären, Kuhreiher, die immer hungrigen Hasenschweine, Schneckenratten und die schreckliche Ozelotmeise. Das Dreimaltier ist die Hirschziegenantilope, von der es heißt, es gibt sie wirklich. Tiere mit Pflanzen im Namen sind der Baummarder, die Baumotter, das Hasengras (ist das ein Tier oder nur ein Gras?), das Petersilienhuhn, der Gänseblümchenpitbullterrier, der Kastanienfloh. Ein bisschen abseits im Zoo wohnen der wild vor sich hin tropfende Schleimhase und das kleckernde Schnafteguju, das wir beinahe übersehen hätten. Aber Felix hat aufgepasst und es, kurz bevor der Zoo am Abend schließt, doch noch entdeckt.

 

 

 

Zwei Treppengedichte

 

1

Anna

Anna Hood

Anna Hood erobert

Anna Hood erobert mit

Anna Hood erobert mit Herrn

Anna Hood erobert mit Herrn Schinkel

Anna Hood erobert mit Herrn Schinkel das

Anna Hood erobert mit Herrn Schinkel das Geiseltal.

 

2

Alle

Alle Kinder

Alle Kinder haben

Alle Kinder haben Lust

Alle Kinder haben Lust zu

Alle Kinder haben Lust zu schreiben

Alle Kinder haben Lust zu schreiben und

Alle Kinder haben Lust zu schreiben und malen

Alle Kinder haben Lust zu schreiben und malen und

 

Alle Kinder haben Lust zu schreiben und malen und erfinden.


Mitteldeutsche Zeitung, 27.03.2018


Übergabe

der Anna-Hood-Shirts

anlässlich der Eröffnung

des Bücherfrühlings

in Sachsen-Anhalt

am 21. März 2018 

in Braunsbedra